Gastbeitrag2|17

Trauer ist Chefsache

Warum Unternehmen eine Notfallmappe für Trauerfälle brauchen.

4 minpp. 2021
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Trauer ist Chefsache

Trauer ist Chefsache

Ein Gastbeitrag von Thomas Achenbach aus dem Blog www.trauer-ist-leben.blogspot.de

Liebe Arbeitgeber: In jedem Unternehmen sollte es eine Notfallmappe für Trauerfälle geben – nicht nur für akute Todesfälle, sondern vor allem für Mitarbeiter in einer Verlustkrise.

Von Thomas Achenbach

Bei einem Kollegen aus der Abteilung ist die Ehefrau gestorben. Oder vielleicht sogar das Kind. Oder vielleicht ist sogar ein Kollege gestorben, der vor kurzem noch zum Team gehörte. Betroffenheit, Sprachlosigkeit und Fassungslosigkeit machen sich im Kollegenkreis breit. Und Unsicherheit. Viel, viel Unsicherheit.

Dabei gilt auch bei Tod- und Trauerfällen im Arbeitsleben: Das an- und aufzunehmen ist erstmal Chefsache. Schwierig bloß, wenn die Führungskräfte auf solche Fälle nicht vorbereitet sind. Und wo sind sie das schon?

Gehört die Trauer nicht ins Privatleben? Ja, schon. Aber hat nicht jedes Privatleben unmittelbar Auswirkungen auf die Arbeitsleistung? Was helfen kann, ist eine Notfallmappe mit Tipps, Anregungen und vor allem Regeln in solchen Fällen. Am Anfang war es die Handwerkskammer Koblenz, die diese Idee erstmals in die Öffentlichkeit brachte und einen gewissen Anspruch formulierte – auf Initiative des Palliativmediziners Dr. Martin Fuchs rief sie ein spannendes Projekt zum Thema Trauer in der Arbeitswelt ins Leben.

Schon 2012 formulierte der Initiator Martin Fuchs in einem Artikel in der Zeitschrift „Leidfaden“ (Ausgabe 3/2012, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht) zum Thema Trauer im Berufsleben: „Sinnvoll wäre es, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das bundesweit zum Einsatz kommt.“ Diesen Faden aufnehmend, halte ich es für besonders sinnvoll, eine Notfallmappe anzuregen, die in Unternehmen und Betrieben zum Einsatz kommen kann, wenn ein Trauerfall auftritt – sei es ein gestorbener Kollege oder ein Mitarbeiter, der mit einem Todesfall im vermeintlichen „Privatleben“ konfrontiert ist.

Ich glaube, das passt so gut in die Zeit: Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement. Betriebliches Gesundheitsmanagement. Betriebliche Gesundheitsförderung. Es tut sich derzeit so viel Wertvolles und Wichtiges im Bereich des Psychosozialen. Arbeitgeber sind offener für diese Themen als noch vor Jahren. Sie wissen: Wer gute Fachkräfte haben will, muss sich auch als sozial kompetent und als attraktiv erweisen.

Nur das Thema Trauer hat bislang kaum einer auf dem Schirm. Dabei gehört es in ein betriebliches Sozialmanagement unbedingt mit hinein. Warum? Weil der erste Ansprechpartner immer der Vorgesetzte ist und immer sein wird. Allerdings sind in den wenigsten Unternehmen – vermutlich in keinem – die Führungskräfte auf einen solchen Fall vorbereitet. Dann ist es hilfreich, wenn sie eine Notfallmappe des Unternehmens zu diesem Thema vorfinden könnten, die im Intranet hinterlegt ist oder die von der Personalabteilung ausgegeben werden kann.

So schreibt der Referatsleiter Gesundheitsförderung der gesetzlichen Krankenkasse IKK Südwest, Wilfried Both, in einem Artikel der Zeitschrift „Leidfaden“ (Ausgabe 3/2012): „Der Produktivitätsverlust durch den sogenannten Präsentismus, also die nicht eingebrachte Leistung anwesender Mitarbeiter, ist laut einschlägigen Studien noch bis zu zehnmal größer als bei Fehlzeiten.“ Menschen in einem Trauerfall sind in der Regel sehr sensibel und hochemotional – sie wissen es daher zu schätzen, wenn man ihnen wertschätzend, offen und kompetent begegnen kann.

Was muss in die Notfallmappe?

Die folgenden Inhalte könnten beispielsweise oder in Teilen Bestandteile einer Firmenmappe über den Umgang mit Tod und Trauer sein:

  • Basisinformationen über Trauer und darüber, wie sie wirkt
  • Telefonnummern für Beratung und Hilfsangebote (Trauerbegleiter, Seelsorge etc.)
  • Unternehmensinterne Regeln für den Trauerfall: Wer schreibt den Kondolenzbrief etc.?
  • Formulierungshilfen und Anregungen für die Kondolenzpost (keine Schablonen!)
  • Textvorschläge für die Traueranzeige + Regelungen, wer sich darum kümmert
  • Informationen und Anregungen zum öffentlichen Auslegen eines Kondolenzbuches
  • Informationen über die im Unternehmen geltenden sozialen Regeln bei Trauer
  • Auszüge aus dem sozialen Leitfaden des Unternehmens – sofern es einen gibt
  • Rituale / „Best Practice“-Beispiele aus der Vergangenheit: gestaltete Trauerbereiche etc.
  • Wie ist die Auflösung des Arbeitsplatzes zu gestalten? Wie die Abteilung einzubinden?
  • Literaturanregungen für den Betroffenen, Liste von Büchern/Blogs zum Thema

Den Arbeitsplatz einesgestorbenen Mitarbeiters in den Tagen nach dem Tod würdevoll zu gestalten, ist eine angenehme und wohltuende Geste: Ein schwarzes Band (Mappenband) – das als Trauerband oder als Schleife genutzt werden kann – lässt sich in gut sortierten Bastelgeschäften kaufen. Damit lässt sich ein schwarzer Streifen über den Bildschirm ziehen oder über ein aufgestelltes Foto. Wenn echte Kerzen im Unternehmen nicht erlaubt sind, was meist aus Brandschutzgründen der Fall ist, lassen sich LED-Ersatzkerzen aufstellen.

Außerdem kann es hilfreich sein, ein Kondolenzbuch auszulegen, in das sich Menschen, die das möchten, eintragen können – in das sie ihre Gedanken und Erinnerungen hineinschreiben können. Das empfinden manche als entlastend, weil sie sich schwer damit tun, ihre Gefühle in gesprochene Worte zu kleiden.

Thomas Achenbach
Redakteur, Blogger und zertifizierter Trauerbegleiter aus Osnabrück, Mitglied im Bundesverband Trauerbegleitung
www.trauer-ist-leben.blogspot.de

Über den Autor

Thomas Achenbach

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