Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
Die pharmazeutische Patientenbetreuung ist eine der vielen Kernkompetenzen der Apotheker vor Ort. Ist damit im „normalen“ Apothekeralltag zumeist die Versorgung von Asthmatikern und Diabetikern, also von chronisch kranken Patienten gemeint, umfasst sie in der Palliativpharmazie vor allem die medikamentöse Betreuung von Menschen am Lebensende.
Viele Studien haben gezeigt, dass sowohl chronisch Erkrankte als auch Palliativpatienten von einem fachlichen Austausch zwischen den Heilberufen profitieren. Aus diesem Grund haben aktuelle Bestrebungen innerhalb der Apothekerschaft das Ziel, das niederschwellige Informationsund Beratungsangebot der Vor-Ort-Apotheker auch in stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Hospizen im Rahmen eines „Apothekers auf Station“ oder „Apothekers auf Visite“ zu etablieren, um die pharmazeutische Kompetenz zu einer festen Größe werden zu lassen. Im Sinne der Patientenversorgung und der Verbesserung der Heilmittelsicherheit ist dies zu begrüßen und - wo immer es möglich ist - zu fördern.
Durch Entwicklungen des Jahres 2016 und durch politisch verpasste Chancen, den Einfluss von Kapitalgesellschaften auf den Gesundheits-„Markt“ zum Wohle des Patienten zu beschneiden, sind diese Ziele, ist die generelle pharmazeutische Versorgung vor Ort in Gefahr: So könnten in Zukunft große Fragezeichen in Bezug auf eine beabsichtigte Fortsetzung diverser Pilotprojekte (wie an der Uniklinik Erlangen oder im Rahmen des Palliativnetzwerks Wiesbaden) entstehen.
Ob Apotheker wie bisher ihrem gesetzlichen Auftrag der ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung innerhalb einesfein abgestimmten Systems nachkommen können oder ob sie Opfer kapitalistischer Interessen von außen werden (und damit die deutsche Gesundheitsversorgung in toto in Gefahr gerät) und ob es dann auch zukünftig eine schnelle, sichere und individuelle Versorgung von (Palliativ-)Patienten geben kann, bleibt abzuwarten. Hier gilt es, sich mit allen Kräften für eine Versorgung der Patienten vor Ort einzusetzen - und sich damit für Apotheken und deren pharmazeutische Betreuungsangebote vor Ort stark zu machen.
Einstweilen wünsche ich viele Anregungen und Erkenntnisse mit der aktuellen Columba.
Ihr
Christian Redmann
Inhaber Stadt-Apotheke Ebermannstadt, Apotheker weitergebildet in Geriatrischer Pharmazie und Homöopathie und Naturheilverfahren, zertifiziert für Palliativpharmazie sowie Heimversorgung. Medikationsmanager der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie.

