Gastbeitrag für Columba3|16

Konfetti & Tränen

Auf seltsame Art und Weise sind wir glücklich. Unsere Tochter konnte sterben, ohne Angst, ohne Schmerzen, zu Hause bei uns.

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Konfetti & Tränen

Konfetti & Tränen

Auf seltsame Art und Weise sind wir glücklich. Unsere Tochter konnte sterben, ohne Angst zu haben, ohne Schmerzen, zu Hause bei uns. Es zerreißt mich, diese Zeile zu schreiben. Und dennoch entspricht sie der Wahrheit.

Ein Kind zu verlieren ist unfassbar grausam. Kein Wort kann Trost spenden. Nichts kann den Schmerz nehmen, der immer begleitet ist vom Gefühl der grenzenlosen Ungerechtigkeit.

Trotzdem gibt es etwas, das uns als Eltern friedlich zurücklässt. In einem Leben ohne unsere Tochter Helen. Und das ist die Art und Weise, wie wir von ihr Abschied nehmen konnten. Das war prägend für jeden einzelnen Moment, den wir seitdem weiterleben. Zu verdanken haben wir das unserer Entscheidung, aus dem Krankenhaus heraus und nach Hause zu gehen - und einem Kinder-Palliativ-Team, das uns diesen Weg möglich machte.

Als unsere Tochter Helen gerade einmal fünf Jahre alt war, wurde nach einem harmlosen Sturz vom Laufrad ein Knochentumor bei ihr entdeckt. Sehr selten bei Kindern, aber was nützt einem diese Aussage, wenn das eigene Kind betroffen ist. Genau vier Jahre lebten wir zwischen Chemotherapie, Operationen und Bestrahlungen. Das Krankenhaus wurde unser zweiter Wohnsitz, zeitweise gingen wir für eine Studie sogar nach Paris.

Wir konnten den Tumor vertreiben, aber er kam zurück. Wir hatten anstrengende, angstvolle und belastende Zeiten, aber auch lange Phasen voller Freude und Gelassenheit. Mit Fantasie, Kreativität und dem Streben nach größtmöglicher Normalität haben wir dem Leben auch unter widrigsten Umständen kleine Glücksmomente abgetrotzt. Getragen von diesen Momenten und gestärkt durch den Zusammenhalt als Familie wurden auch diese vier Jahre der Krankheit schöne Jahre.

Bei allem Glück, das wir uns geschaffen haben, waren wir doch immer Zeugen der furchtbaren Aspekte dieser Krankheit. Blieb unsere Tochter zumeist verschont, so haben wir viele Kinder im Krankenhaus Dinge erleiden sehen, die sich uns für immer eingeprägt haben. Wir waren uns sicher, dass Helen so etwas niemals erleben sollte.

Nach vier Jahren des Hoffens kam auch für uns der Moment, in dem uns die Ärzte mitteilten, dass unser Kind sterben würde. Er kam völlig überraschend in einer Phase vermeintlicher Unbeschwertheit.

Noch am gleichen Tag beschlossen mein Mann und ich, dass wir keine weitere Behandlung für unsere Tochter wollten. Keine Bestrahlung, um sie noch ein paar Wochen länger bei uns zu halten. Einzig das Wohlbefinden von Helen, ohne Schmerzen und unnötige Strapazen, stand im Zentrum unseres Denkens und Handelns. Wir wollten sofort nach Hause und die letzte Zeit dort verbringen. Da, wo wir Ruhe haben würden und die verbleibenden Tage oder Wochen fern des Klinikalltages nach unseren Vorstellungen gestalten könnten.

Die Suche nach einem mobilen Palliativ-Team für Kinder war schwierig, denn es gibt einfach zu wenige davon. Dank des Engagements der Kinderonkologen wurden wir dennoch fündig und konnten zwei Tage nach der endgültigen Diagnose das Krankenhaus verlassen.

Das Palliativ-Team nahm sich Zeit. Es erklärte uns, was uns vermutlich erwarten würde, zeigte Möglichkeiten auf, nahm uns ernst und bestärkte uns in unserem eigenen Weg.

Wir wollten als Familie für uns sein, so wenig Einfluss wie möglich von außen haben. Wir wollten Helen pflegen, die notwendigen Medikamente geben und für sie da sein. Selbstbestimmt, nach unseren Regeln. Aber beruhigt von dem Wissen um ein Sicherheitsnetz von Profis, die uns jederzeit zur Seite stehen würden.

Wir durften von unserer Tochter Helen so Abschied nehmen, wie wir es uns gewünscht haben: Sie starb ohne Angst, ohne Schmerzen, zu Hause in unseren Armen.

Berührend und ermutigend zugleich beschreibt Nicole Heinrichs den Verlust ihrer Tochter und wie sie mit ihrem Mann zurück ins Leben findet. Ihr Buch "Konfetti & Tränen" erschien im Droemer Verlag.

Über den Autor

Nicole Heinrichs

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Seiten 22–23