Kleine Kinder – große Gefühle
Kinder sind spontan mit all ihren Fragen und Anliegen, wenn sie etwas beschäftigt.
Oft sind wir Erwachsene nicht wirklich darauf vorbereitet, wenn Kinder nach dem Tod und dem Sterben fragen. Dabei begegnen unsere Kinder häufig dem Tod in ihrem Leben: in der Lesezeit in den Märchen, im Alltag in der Natur, aber auch in der Gemeinschaft. Im Vorund Grundschulalter begegnen Kinder dem Tod mit offenem Auge und offenem Herzen.
Von Anja Gehrke-Huy
Sicher ist es uns „Großen“ nicht recht, wenn Kinder traurige Erfahrungen machen. Und so neigen viele von uns dazu, Kinder vor dem Thema Tod und Abschied schützen zu wollen. Doch wovor wollen wir sie eigentlich beschützen? Vor dem Leben zu dem der Tod dazu gehört?
Kinder in ihrem Leben von Anfang an offen und ehrlich, vertrauensvoll und schützend zu begleiten, bedeutet nicht, sie vor Traurigem zu bewahren, sondern sie einzubeziehen und sie zu unterstützen, einen Ausdruck für all ihre Gefühle zu finden. Das Thema Tod und Trauer ist noch immer ein Tabuthema. Es wird möglichst verschwiegen oder die große Ablenkung soll als „Lösung“ herhalten. Kinder haben tausend Antennen. Sie haben auch, wie jeder Mensch, ein Recht auf Antworten, wenn sie spüren, dass irgendwie “etwas“ anders ist. Der Tod begegnet uns heute oft still und im Verborgenen. Vor allem, wenn Kinder während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach sterben, bleibt dies oft ein Tabuthema. Geschwisterkinder spüren, wenn mit der Mama etwas nicht in Ordnung ist; Geschwisterkinder fragen, wo das Brüderchen oder Schwesterchen nun sei.
Stellt sich hier die Frage, abwelchem Alter spreche ich mit Kindern über den Tod? Bereits im Babyalter werden fröhliche und auch traurige Dinge von den Eltern übertragen. Trauergefühle schwingen nonverbal mit und gerade Kleinkinder nehmen Veränderungen deutlich wahr: Stimmen klingen anders, Gesichter verändern sich, Gerüche verändern sich, Berührungen werden anders. Der Tod kann zwar kognitiv nicht verstanden und eingeordnet werden, aber Kleinkinder spüren Unruhe, Aufregung und Traurigkeit. Babys und Kleinkinder können Tod oder “gestorben“ nicht kognitiv wahrnehmen, aber sie fühlen, dass etwas anders ist. Kinder benötigen emotionale Zuwendung. Bei Kleinkindern ist hier der Trost durch emotionale Begleitung wichtig. Zuwendung und körperliche Nähe sind in diesem Alter wichtiger als Erklärungen. Gewohnte Rituale können in Zeiten der Veränderung Sicherheit und Orientierung bieten.
Das abendliche Kuscheln, gewohnte Tagesabläufe, Gute-Nacht-Geschichten und Lieder oder die geliebten Stofftiere können Sicherheiten in einer unsicheren und von Trauer gezeichneten Zeit geben. Ach ja: Mein Literaturtipp für diesen Artikel: Lilly ist ein Sternenkind – passt zu diesem Thema ganz gut, denke ich, und ist ein wunderbares Kinderbuch, wenn Eltern die Worte fehlen, während Kinder daheim auf ihr Geschwisterchen warten, welches aber bei der Geburt verstorben ist.

