Vielfältig im Hospiz und auf Palliativstationen
Gerade wenn aus medizinischer Sicht nichts oder nur noch wenig getan werden kann, gibt es für Pflegende im Hospiz und auf Palliativstationen noch viel zu tun. Hier kann mit Aromapflege ein wertvoller Beitrag für Patienten geleistet werden.
Unter Aromapflege versteht man den fachkundigen Einsatz ätherischer Öle, naturbelassener Pflanzenöle, Hydrolate und deren Produkte in der Gesundheitsund Krankenpflege. Sie dient in der Palliativpflege dem Wohlbefinden sowie der Linderung von pflegerelevanten Beschwerden. Der Begriff entwickelte sich aus der Aromatherapie und wird im Pflegeberuf genutzt. Es handelt sich um eine komplementäre Pflegemethode als Teil der Pflanzenheilkunde.
Individuelle Pflegeprobleme werden genau beobachtet und im Sinne des Bewohners im Pflegeprozess sowie in der Pflegediagnose umgesetzt. Bei der Aromapflege erfolgt die Anwendung der ätherischen Öle über den Geruchssinn und die intakte Haut. Sie umfasst pflegerische und prophylaktische Maßnahmen, die im Pflegeprozess regelmäßig evaluiert werden. Der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen steht dabei immer im Mittelpunkt.
Was wir im Hospiz und auf Palliativstationen erreichen möchten, hat Cicely Saunders formuliert: Sterbende sind wichtig, weil sie eben sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.
Im Hospiz und auf Palliativstationen finden wir eine ganzheitliche und sehr individuelle Pflege vor, die sich besonders nach den Bedürfnissen der Sterbenden richtet. Aromapflege kann nicht nur in den Pflegealltag professionell Pflegender integriert werden. Auch Angehörige werden angeleitet, kleine Einreibungen zu machen oder Mundpflege durchzuführen. So fühlen sie sich weniger hilflos und haben das Gefühl, etwas tun zu können.
Im persönlichen Gespräch mit Patienten oder Angehörigen können Duftvorlieben und Duftabneigungen besprochen werden. Die Wünsche des Patienten werden bei der Auswahl ätherischer Öle für Körperpflegemischungen berücksichtigt. Auch im Flurbereich auf Palliativstationen oder im Hospiz kann ein angenehmer Raumduft eine besondere Atmosphäre schaffen. Am besten eignen sich frische Düfte wie Orange, Bergamotte oder Nadelbaumdüfte.
In dieser sensiblen Lebensphase ist eine gute Hautpflege unerlässlich. Hierfür werden kaltgepresste Pflanzenöle als Basis für Aromapflegemischungen bevorzugt. Sie pflegen die Haut nachhaltig, ohne sie auszutrocknen oder die Poren zu verschließen. Eine Mischung aus Mandelöl oder Johanniskrautöl mit Lavendel kann vielseitig eingesetzt werden und wird von vielen Menschen als angenehm empfunden.
Eines der wichtigsten Themen ist die Mundpflege. Sie zählt in der palliativen Pflege zu den wichtigsten pflegerischen Handlungen, wenn Patienten nicht mehr genügend Flüssigkeit und keine Nahrung mehr zu sich nehmen und meist durch den Mund atmen. Oft bilden sich dann Beläge, Borken und Mundgeruch oder es entwickeln sich Infektionen als Folge von Chemooder Radiotherapie. Der Patient leidet unter starken Schmerzen.
Als eines der wirkungsvollsten komplementären Aromapflegeangebote gilt hier Sanddornfruchtfleischöl. Gerade bei Mukositis wird dieses Pflanzenöl mit gutem Erfolg angewendet. Um hartnäckige Borken und Beläge zu lösen, kann Rosenhonig angewendet werden. Gerade bei der Mundpflege sollte der persönliche Geschmack der Patienten berücksichtigt werden, da es sonst zu Abwehrreaktionen oder Verweigerung der Mundpflege kommen kann.
Einsatzbereiche der Aromapflege
- Hautpflege und prophylaktische Hautpflege
- Waschungen und Bäder
- Mundpflege
- Unruhe und Angstzustände
- Begleitend zur Schmerztherapie
- Psychische Begleitung
- Bekämpfung unangenehmer Gerüche
- Abgeschlagenheit und Schwächegefühl
- Geschwollene Extremitäten
Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Chemotherapie zählt Übelkeit. Oft ist diese verbunden mit Geruchsempfindlichkeit, verändertem Geschmack und Appetitlosigkeit. Ätherische Öle können hier direkt auf den Gastrointestinaltrakt und auf das zentrale Nervensystem Einfluss nehmen. Eine einfache Anwendung ist das Riechsalz: Kochsalz wird in ein Döschen gegeben und mit je einem Tropfen Pfefferminze, Zitrone und Limette versehen. Bei dementen Patienten empfiehlt sich Zucker statt Salz.
Ein großes Thema ist Schmerz. Aromapflege bietet eine wertvolle Unterstützung als komplementäre Möglichkeit begleitend zur Schulmedizin. Dadurch können Analgetika schneller wirken und eventuell geringer dosiert werden. Zudem kann bei der Auswahl ätherischer Öle die psychische Befindlichkeit des Patienten berücksichtigt werden.
Viele palliative Patienten leiden unter Ängsten. Ätherische Öle haben einen direkten Zugang zum limbischen System, dem Duftgedächtnis. Dort werden Botenstoffe ausgeschüttet, die Einfluss auf unsere Emotionen haben. Bei Ängsten kann der Einsatz ätherischer Öle in Duftlampe, Bad, Massageöl oder als Ölkompresse hilfreich sein.
Dieser Artikel gibt einen kleinen Einblick in aromapflegerische Möglichkeiten in der palliativen Pflege. Ätherische Öle können körperliche Beschwerden lindern und Einfluss auf unser psychisches Wohlbefinden haben. Wichtig ist die Qualität der Produkte. Eigene Mischungen sollten nur mit Sachkenntnis oder Fachliteratur hergestellt werden, denn bei der Dosierung gilt: Weniger ist mehr.
Anwendungsarten wie Wundbehandlung obliegen der Anordnung des Arztes und gehören in den Bereich Aromatherapie. Aromapflege findet im eigenverantwortlichen Bereich der Gesundheitsund Krankenpflege statt.
Woran erkennt man hochwertige ätherische Öle?
- Deutscher Name und botanischer Pflanzenname
- Gewinnungsart und Ursprungsland
- Angabe des verwendeten Pflanzenteils
- Angaben über den Anbau
- 100 Prozent naturreines ätherisches Öl
- Füllmenge, Chargennummer, Sicherheitshinweise und Haltbarkeit
- Genaue Angabe von Zusätzen wie Alkohol
Dieser Artikel ersetzt keinen Arztbesuch und ist keine Behandlungsanleitung.

